'Ich in trockenen Tüchern' by schuschu http://www.flickr.com/photos/schuschu

Arbeitsgruppe

"Identität als zeichenbasierter Prozess"

Philosophische Fakultät der Leibniz Universität Hannover

(Germanistische Linguistik/ Institut für Pädagogische Psychologie)


Fragestellung

Identitätskonzepte sind strittig! In den Kulturwissenschaften, in der Soziologie und der Psychologie ist fraglich geworden, inwieweit so etwas wie eine überdauernde, zeitstabile Form von Identität postuliert werden kann und in welcher Form Begriffe wie "Subjekt", "Person", "Ich", "Selbst", die zum Grundbestand alteuropäischer Denktradition gehören (Luhmann), den verschiedenen Angriffswellen der Dekonstruktion standhalten können.

Ausgehend von der disziplinenübergreifenden Skepsis gegenüber dem tradierten Begriff der Identität als fest gefügte, zeitstabile Entität zielt die Fragestellung der interdisziplinären Arbeitsgruppe auf eine Reformulierung und Revision des Identitätskonzepts. Die Leithypothese ist, dass es sich bei den Phänomenen, die als "Identität" zusammengefasst werden können, um hochkomplexe, zeichenbasierte Prozesse handelt, mittels derer die Akteure in der Kommunikation ein dynamisches Selbstbild aushandeln. Unsere zentrale Hypothese ist:

Identität ist ein Phänomen, das bezüglich seiner Merkmale, seines Skopus und seiner zeitlichen Dimension flexibel ist und das von den Akteuren jeweils in kommunikativen Prozessen (zeichenbasierten Prozessen) hergestellt/ausgehandelt wird, die sowohl dialogische als auch narrative Formen der Kommunikation umspannen.

Mit der Auffassung von Identität als zeichenbasiertem Prozess ist notwendig die Annahme verbunden, dass menschliche Sprachen eine Reihe inhärenter struktureller Merkmale enthalten, die es überhaupt erst ermöglichen, eine autonome Selbstmodellierung und reflexiven Umgang mit diesem Modell im Sinne von Selbstbewusstsein zu entwickeln. Diese Charakteristika von Sprache (verankert z.B. in Deiktika, Diskursstrukturen, grammatischen Kategorien und allen linguistischen Einheiten mit "subjektiver" Bedeutung) sollen herausgearbeitet werden. Ferner wird die Perspektive über das rein sprachliche Medium hinaus auf allgemeine semiotische Prozesse (verschiedene Modalitäten des Zeichengebrauchs, v.a. bildhafte Repräsentationen) erweitert.

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